Hans-A-Plast

Plakat für ein Konzert von Hans-A-Plast und Charge in der Neuen Welt am 10. Juni, Berlin 1980 (Ausschnitt)

Gestaltung: © No Fun Records

Hans-A-Plast Bandbio. Unvollständig.

Gegründet 1978, drei Langspielplatten veröffentlicht im Zeitraum von

1979

Du bist son geiler Lederhosentyp, echt gut im Bett, kurz und dreckig, ein Teenage Traum.

Es ist wieder mal ein Rock’n’Roll Freitag für Kunde und Vieh. Ich gehe durch die Straßen.

Das ist hier ein Machtspiel. Amerikaner in karierten Shorts fotografieren Polizeiknüppel.

Auf dem Fahndungsplakat: Kannibalen und Menschenfresser. Monstertanz schwarz und

weiß. Kein reicher Vati, nee, dicke Kinder. Wir kommen aus dem Paradies und können

nicht zurück. Ich zünd mich an. Die Zukunft ist vorbei. Ausradiert?

bis Ende 1983

Schluss. Das Glück, die Umarmung, der Kuss. Für ne Frau GUT.

Renate Baumgart (Gesang, Bass)

Bettina Schröder (Gesang, Schlagzeug)

Jens Meyer (Gitarre)

Michael Polten (Gitarre)

Annette Benjamin (Gesang, Saxophon)

© Annette Benjamin, 2020

Hans-a-plast – Wie war das damals?

Ja, wie haben wir damals angefangen? Jens, Micha, Renate und ich saßen mal wieder am WG-Küchentisch. Es schwappte gerade die Punkwelle aus England und Amerika zu uns rüber – Vibrators, Damned, Sex Pistols, Ramones, Clash – und wirwaren total drauf. Sowas wollten wir auch machen. Schreiben, was direkt aus einem rauskommt, eine andere Art der Protesttexte als das moralisierende, 70er-typische „Wir sind dagegen!“. Drei Akkorde, 1-2-3-4 und fertig. Aber in Deutsch.

Im harten Winter ’77/’78 – in einem verrotteten Keller vor dem Beginenturm in Hannovers Altstadt – probten wir täglich bei minus 20 Grad. Die ersten Songs waren schnell fertig: Rock’n Roll Freitag, Hau ab Du stinkst, Starfighter, Lederhosentyp. Kurz darauf der erste Auftritt im Jugendzentrum Badenstedt. Da spielte auch die Band Slime aus Braunschweig, die Sängerin fanden wir gut. Also haben wir sie gefragt, ob sie bei uns einsteigen will. Wir hatten eine eigene PA, ein paar deutschsprachige Songs und das Angebot, in der Hamburger Markthalle beim ersten großen Punkfestival „Into the Future“ aufzutreten. Annette hat ja gesagt.

Mit den traditionellen Frauenrollen hatten die Hans-A-Plast-Frauen nie was am Hut. Ich wurde schon als wildes Mädchen geboren und auch Renate und Annette haben die Barbie- und Puppenwagensozialistion erfolgreich verweigert. Für uns war es selbstverständlich, einfach unser Ding zu machen.

Wir alle in der Band samt Techniker haben immer alles selbst bestimmt und selbst gemacht. Wo es lang gehen sollte, wurde in endlosen Diskussionen ausgehandelt. Jede und jeder fühlte sich gehört – basisdemokratisch eben – und deshalb waren wir immer mit Herzblut dabei. Good Vibrations, good Spirit – ein Song nach dem anderen wurde geboren.

Im September 1978 nahmen wir unsere erste LP auf – alles in Eigenregie: Studio ausgesucht, Songs ausgewählt und abgemischt, das Booklet gestaltet, jedes Heftchen einzeln in das CD-Cover gesteckt, die LPs in die ganze Republik verschickt. Auch die ersten größeren Auftritte haben wir selbst organisiert, die Tonanlage aufgebaut. Renate und ich wollten immer die schwersten Bassboxen tragen – für ne Frau gut!

Legendäre Auftritte: Antifa-Festival in der TU Berlin – 1979; erste große Tour durch deutschsprachige Länder – Frühjahr 1980; Rockpalast Köln – Juli 1980 (Annettes Ansage: „Heute zu Gast bei Hans-A-Plast: der Rockpalast“); Rock gegen Rechts in Frankfurt – Sommer 1980; Tempodrom; Rote Fabrik Zürich – November 1980, Schlachthof Wien – 1980, No Fun-Tour – Frühling 1981 und und und … und 1980 wurden wir von den SOUNDS-Lesern zur „Newcomer-Band des Jahres ’79“ gekürt.

1983 schließlich: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Und: Non, rien de rien, oh non, je ne regrette rien – wir haben es nie bereut!

© Bettina Schröder-Polten, 2020